Die Geschichte einer grossen Liebe

Die Sonne wärmt meinen Körper, der Wind streichelt meine Haut, meine Augen sind geschlossen, ich liege im weichen Gras.
In meiner Nase der Geruch von Lotti, Selma, Livia und ihren Freundinnen. Die Ohren vernehmen das Geräusch der langen, rauhen Kuhzungen, die sich saftige Grasbüschel abreissen. Die Welt ist schön.

Ich bin grad 10 Jahre alt und liebe es, auf der Weide mitten in unseren Kühen zu sein.
Schon immer war das so und auch Heute noch, mit 40 Jahren, liebe ich es dies zu tun.
Jedoch, schenke ich mir nicht mehr so oft die Zeit dafür.
Und, ich würde aktuell einfach zwischen die Tiere stehen oder knien. Um mich auf den Boden zu legen, dürfte ich mich zuerst wieder mit ihnen, z.B. den Nachfahren meiner "Kindheitskühe" - auf dem Hof meines Bruders, vertraut machen.

Nun aber zurück auf die sonnige Wiese, an dem schönen Tag draussen inmitten der Herde.
Ich geniesse den Frieden, die Ruhe und Gelassenheit die von der Kuherde auf mich übertragen wird. Es herrscht Harmonie. Jede kennt die andere. Jede kennt ihren Platz. Alles ist einfach.
Nahe bei mir, liegen einige Tiere die wiederkäuen. Etwas weiter weg, weiden andere. Da, kratzt sich eine mit ihren Hörnern am Rücken, dort wehrt eine andere Fliegen mit dem Schwanz. 

Dann, Rufe vom Stall. Die breiten, behornten Köpfe heben sich, die Tiere rufen zurück. Die ersten, haben schon vor der Stalltüre gewartet. Miteinander drängen sie zur Türe. Wer es wohl als erste durch das Nadelöhr schafft. Rechts und links wird mit den Hörnern gepieckst, sich sorgfältig aber unmissverständlich Platz verschafft. Es ist gut in dem Moment klar zu sein. Für die Kühe und für mich, die ich ja auch durch die Türe will.
Angst habe ich keine, brauch ich auch nicht zu haben. Wir kennen uns. Die Kühe und ich.

Von meinen Grosseltern, meinen Eltern, meinen Tanten und Onkeln, habe ich gelernt mit ihnen in Verbindung zu sein. Wir verstehen, respektieren und lieben uns gegenseitig. Kennen unsere Macken und Vorzüge.
Und wenn Livia, jetzt mal wieder an ihrem Platz vorbei "gestürmt" ist und ich mich ärgere und sie nervös wird, finden wir uns wieder. Dort, wo ich die Ruhe in meinem Bauch spüre und die Wärme in meinem Herzen. In dem Moment, lässt sie sich von mir an ihrem Horn an ihren Platz führen. Mein Körper ganz nah an ihrem, die Arme um ihren Hals gelegt, meinen Kopf an ihrem Körper, lässt sie sich anbinden. Dann schüttelt sie, angefangen von den Hörnern, den ganzen Körper bis zum Schwanz und atmet tief aus. Einen wohligen Seufzer untermalt akustisch die Bewegung wenn sie sich ins aufgeschüttelte Stroh legt.

Scheint so, als wäre sie Heute rundum gesättigt und erst einmal froh, sich neben ihrer besten Freundin hinzulegen. Ihre beste Freundin, das ist Selma. Beide etwas schreckhaft und doch äusserst neugierig.

Es gibt unzählige Geschichten, die ich von meiner grossen Liebe zu den Kühen schreiben könnte. Schöne, wie diese. Oder unangenehme, wie von dem Tag, an dem beim Abbinden der Tiere, die grosse Gourmande einmal mehr ihren Fuss auf meinem platziert hat. Mit der Drehung ihres Fusses, reisst es mir den Nagel am grossen Zehen weg. Wir beide haben nicht gut acht gegeben. Sie wollte schon draussen sein und ich hatte in dem Moment nicht genügend Kraft, ihren Körper einen klitzekleinen Moment länger zurück zu halten, um meinen Fuss weg zu nehmen. Oder war einfach zu langsam.

Alle diese direkten, intensiven Erlebnisse sind noch sehr präsent.
So fühle ich beim schreiben dieses Textes eine wohlige Wärme die mich umgibt und die Liebe in meinem Herzen. 
Die Kuh (Die Kuh = Ein würdevolles, adeliges Tier mit Horn) - berührt mich mit ihrem ganzen Wesen.